Eine erste Erwiderung auf die Pressemitteilung der WASG zur beschleunigten Fusion

Die Pressemitteilung der WASG vom 19.8.05:

(siehe Bundesseite)

Rot ist der Text aus der Pressemitteilung, schwarz sind meine Kommentare dazu.

Linkspartei und WASG wollen ihren Zusammenschluss zu einer gemeinsamen Partei nach der für den 18. September angesetzten Bundestagswahl beschleunigen. Der Zusammenschluss solle möglichst früher als in den bisher geplanten zwei Jahren abgeschlossen sein, kündigten Linkspartei-Vorsitzender Lothar Bisky und WASG-Sprecher Klaus Ernst in Berlin an.

Wer will den Zusammenschluss beschleunigen? Bisher war doch immer von einem ergebnisoffenen Diskussionsprozess über die nächsten zwei Jahre die Rede. So jedenfall stellte es der BuVo immer dar und so lautete auch die Mitgliederbefragung in der Urabstimmung. Doch nun steht das Ergebnis schon fest: der Zusammenschluss. Und der soll nun auch beschleunigt werden.

Die Fusion von Linkspartei und Wahlalternative Arbeit & soziale Gerechtigkeit (WASG) soll direkt nach der Bundestagswahl anlaufen.

...teilt uns ein Anonymus mit. Diese Pressemitteilung ist von niemandem unterzeichnet. Wer hat sie verfasst? Klaus Ernst? Joachim Bischoff? Björn Radke? Irgendjemand aus dem BuVo wendet sich anonym sowohl an die Presse, als auch an uns, die Basis, und teilt uns mit, dass die Fusion direkt nach der BT-Wahl anlaufen soll. So so. Und wo bitte bleibt der ergebnisoffene Diskussionsprozess? Das Ergebnis scheint ja schon festzustehen, jedenfalls für den BuVo.

"Wir werden den Vorständen beider Parteien vorschlagen, sofort nach der Bundestagswahl die konkreten Formen, Arbeitsgruppen und auch die Etappen zu vereinbaren, die für einen zügigen Zusammenschluss erforderlich sind", sagte der Vorsitzende der Linkspartei.PDS, Lothar Bisky.

Auch hier wieder: es geht nur noch darum die Etappen der Fusion in Arbeitsgruppen zu behandeln und abzuarbeiten. Kein Wort von ergebnisoffener Diskussion.

WASG-Vorstand Klaus Ernst betonte, die Fusion solle möglichst schnell in der angepeilten Zwei-Jahres-Frist gelingen, möglichst bis Ende 2006.

Auch hier wieder: das Ergebnis des nicht stattfindenden Diskussionprozesses steht schon fest: Fusion, und das möglichst schnell. Warum die Eile? Weil man die WASG nicht mehr bei den kommenden Landtagswahlen 2006 antreten lassen möchte, obwohl die Landesverbände dies wollen. Aber wenn es die WASG nicht mehr gibt, dann gibt es auch keine Landesverbände mehr und ihre Beschlüsse antreten zu wollen.

Die Mitglieder beider Parteien sollen die Fusion in Urabstimmungen billigen.

Achso, billigen dürfen wir das dann doch noch. Das klingt aber sehr demokratisch. Man darf, nachdem Arbeitsgruppen, Bundesvorstände und "paritätisch" besetzte Gremien Fakten geschaffen haben noch abnicken oder gehen.

Mit Blick auf die in 2006 anstehenden Landtagswahlen etwa in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Berlin, wo sowohl die Linkspartei als auch die WASG einen eigenen Verband haben, sagte Ernst: "Wir haben die klare Absicht, nicht mehr gegeneinander anzutreten."

Das heisst ja wohl, die Linkspratei.PDS wird antreten und die WASG nicht. Denn wer wird schon eine Partei antreten lassen wollen, die es bald sowieso nicht mehr geben wird? Macht ja keinen Sinn.

Einzelheiten dieser Verständigung müssten in den Landesverbänden ausgehandelt werden.

Allerdings! Denn schliesslich kann ein BuVo letzlich einem Landesverband nicht vorschreiben ob er zu einer Wahl antreten will oder nicht. Da bin ich mal gespannt.

Bisky und Ernst unterzeichneten eine fünfseitige Kooperationsvereinbarung.

Ist das ein geheimer Pakt? Darf man als normalsterbliches WASG-Mitglied vielleicht mal erfahren was auf den fünf Seiten steht? Schliesslich ist das der Fahrplan für die nächsten Monate.

Nach der Wahl sollen paritätisch besetzte Arbeitsgruppen damit beginnen, ein gemeinsames Parteiprogramm und ein Statut zu erarbeiten. Den Namen Linkspartei wolle man möglichst nicht mehr ändern.

Erneut kein Wort mehr von ergebnisoffener Diskussion. Nun will man schon die Programme und Statuten verschmelzen und den Namen Linkspartei kann die PDS auch gleich behalten und die WASG verliert ihren Namen. Wozu braucht sie den denn auch noch? Wie praktisch. Wäre auch zu viel verlangt, die Linkspratei.PDS schon wieder umzubenennen. Da kommt ja dann überhaupt keiner mehr mit.

Deshalb gehöre zu der Vereinbarung, dass beide Parteien künftig bei allen Landtags- und Kommunalwahlen nicht gegeneinander konkurrierten, betonten beide.

Aha, das ist also ein Teil des fünfseitigen Papiers. Nur einen Schönheitsfehler hat das Ganze: Der BuVo der WASG, der mit der Linksprtei.PDS dieses Abkommen ausgehandelt hat, hat hier Dinge preisgegeben und verhandelt, die überhaupt nicht in seinem Rechtsbereich liegen. Ob ein Landesverband antritt oder nicht, entscheidet kein Bundesvorstand einer Partei. Das ist alleine die Entscheidungsfreiheit des Landesverbands.

Ernst zeigte sich überzeugt, diesen Grundsatz auch in Berlin umsetzen zu können. Hier hat der WASG-Landesverband bereits angekündigt, in Konkurrenz zur Linkspartei zur Abgeordnetenhauswahl im Herbst 2006 anzutreten. "Bis dahin läuft noch viel Wasser die Isar runter, sagt man in Bayern", sagte Ernst.

... und nicht nur in Berlin. Auch in Rheinland-Pfalz und in Baden-Württemberg haben die WASG-Landesverbände erklärt antreten zu wollen. Erneut ein klarer Affront gegen die innerparteiliche Demokratie, gegen Beschlüsse und gegen das Parteienrecht.

Sagt mal Leute, liesst eigentlich irgend jemand diese Pressemitteilungen? Und was denkt ihr euch dazu?

Andreas Holznagel


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zuletzt geändert: 10/01/05